Das Recyclingwunder

Als die ARD Ende Juni einen Bericht über Recycling bringt, wird in 75 Minuten berichtet, worüber die Journalisten nach eigenen Angaben ein Jahr lang sorgfältig recherchiert haben. Das Ergebnis wird zusammengefasst und überschrieben mit dem Titel „Die Recyclinglüge“. Ja, und alles, was gezeigt wird ist glaubwürdig. Und es wird mit schockierender Dramatik berichtet. Aber: Der größte Anteil des Berichts befasst sich mit dubiosen, unredlichen, illegalen und kriminellen Machenschaften. Dazu kommen die vielversprechenden Werbe- und Marketingbotschaften der mächtigen Konzerne, die nichts sind als nicht realisierte Versprechen. Dass es dies gibt ist unbestritten und durch nichts zu rechtfertigen. Die Dokumentation ist gut, wichtig und hat ihre absolute Berechtigung, um für Aufklärung und Transparenz in der Verpackungs- und Recycling-Industrie zu sorgen.
Leider wird nicht berichtet über die redlichen Anstrengungen der zahlreichen kleinen und großen Unternehmen, der Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstitute und der Verbände, die das im Bericht plakativ verdammte Wort „Kreislaufwirtschaft“ Tag für Tag mit Leben füllen.

Innovative technische Lösungen geben Hoffnung

Da hätte man zum Beispiel berichten können über die zahlreichen Erfolge im Recycling, Second-Life und Re-Use. Über neue Produkte aus Recyclaten wie Schrauben, Schläuche, oder Produkte für die Regenwasserbewirtschaftung, die manchmal viel energieintensiver herzustellende Metallprodukte ersetzen. Die Qualität bei den Recyclaten ist inzwischen sogar so hoch, dass Lebensmittel damit verpackt werden dürfen. Die Journalisten hätten berichten können über Produkte, die unter dem Motto „Designed for Recycling“ produziert werden. Oder über die Digitalisierung in der Recycling-Technik und die Möglichkeiten, die dies bei der Trennung und Sortierung eröffnet.

Dass Hochfrequenzkameras in Echtzeit die wertvollen und gekennzeichneten Rohstoffe sortenrein trennen und in hoher Reinheit und Qualität erneut bereitstellen. So wird sortenreines Recycling realisiert. Hinzu kommen die zahlreichen Innovationen und Fortschritte beim thermischen und chemischen Recycling. Das alles sind Hebel für cleveres Recycling und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Und die machen Hoffnung auf dem Weg zur Klimaneutralität. Auch wenn sie nicht von heute auf morgen die unfassbar großen Mengen an Kunststoff, die weltweit hergestellt werden, recyceln können.

„Ziel muss dennoch sein, das im Kunststoff gebundene Öl, so lange wie möglich darin zu erhalten. Es zu verbrennen ist keine Lösung“, ist Dr. Dirk Textor überzeugt. Sorgen machen dem Experten und Berater für wiederverwertbare Kunststoffe jedoch die niedrigen Preise für neue Produkte in Verbindung mit den hohen Preisen für die Energie, was der energieintensiven Aufbereitung beim Recycling zu schaffen macht. Da sei eine CO2-Bepreisung ein dringend notwendiges Steuerungsmittel. Dass es auch mit Enthusiasmus und Überzeugung geht, zeigt beispielhaft die Firma Graf aus Teningen am Kaiserstuhl.

Soziale Akzeptanz des Arbeitgebers bei jungen Menschen

Daneben gibt es noch weitere Treiber und Trends auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Da ist ganz aktuell das Thema Lieferengpässe. Wenn neue Rohstoffe fehlen, fragen Hersteller nach wiederaufbereiteten Stoffen. Und Endkunden treiben das Thema voran, wenn sie nachfragen, was genau im Produkt verbaut wurde, woher es stammt, und ob es recycelbar ist. Dirk Textor bestätigt das und kennt die Konsequenzen: „Vor allem Discounter und Baumärkte fragen immer öfter beim Hersteller nach, inwieweit die Produkte recycelbar sind, oder ob sie bereits aus Recyclaten hergestellt worden sind.“

Und schließlich wird auch der Fachkräftemangel für mehr Recycling sorgen. Denn wenn sich junge, angehende Mitarbeiter ihre Arbeitgeber aussuchen können, dann kann auch die Frage, wie sie es mit dem Recycling halten, eine entscheidende sein. Denn in ihrer eigenen Community wollen die jungen Leute nicht dafür angemacht werden, dass sie bei einem Unternehmen arbeiten, das sich nicht um die Umwelt und die Klimaneutralität kümmert.

Fazit

Für eine Steigerung der Recyclingquote werden viele Anstrengungen unternommen. Innovative technische Lösungen sind ein Baustein, der Anlass zur Hoffnung gibt, dass eine Kreislauf­wirtschaft bei Kunststoffen entstehen kann. Sicher kann sie nicht von heute auf morgen hochskaliert werden, um die riesigen Kunststoffmengen, die die Konzerne produzieren, zu verarbeiten. Dafür bedarf es weitere, auch gesetzliche Regelungen. Es wäre dennoch zu wünschen, dass Journalisten und die Medien auch einmal über die Mutmacher-Themen berichten. Das sind nämlich die, die Hoffnung geben. Die nächste Doku darf dann gern „Das Recyclingwunder“ heißen.

Die Solids- und Recycling-Technik-Trendberichte werden von Fachjournalisten mit tiefen Branchenkenntnissen erstellt und stehen der Presse zum freien Abdruck zur Verfügung.

Autor: Jürgen Fürst, Fachredakteur, Stuttgart

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